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Presseartikel vom 05.07.2005

Hauptschüler steuern Fachabitur an
M-Zug: Immer mehr wechseln an Fachoberschule - Nach der Neunten dramatischer Arbeitsmarkt - Der Neue Tag Weiden

Weiden. (kä) "Dass der M-Zug der Hauptschule als gleichwertige Alternative dargestellt wird, geht völlig an der Realität vorbei." So kommentierte MdL Maria Scharfenberg die Entscheidung des Freistaats, keine weiteren Eingangsklassen an der Weidener Wirtschaftschule zuzulassen. Der M-Zug als Feigenblatt?

Was "taugt" der mittlere Abschluss, abgelegt an der Hauptschule?

Die Max-Reger-Schule entlässt in diesem Jahr drei M-Klassen ins Leben. Ein Drittel der Schüler drückt weiter die Schulbank: an der FOS. "Die Guten gehen durch und schaffen das", ist Rektor Karl Sollfrank zuversichtlich.

Der Gesamtanteil an M-Schülern an der Weidener Gustav-von-Schlör-Fachoberschule beträgt inzwischen über zehn Prozent. Mit steigender Tendenz: "Und wir freuen uns, dass es mehr werden", sagt Oberstudiendirektor Josef Mürbeth. In den aktuellen 11. Klassen lag der Anteil der M-Schüler zum Start im September 2004 bei 19 Prozent. "Deutlich über zehn Prozent" bleiben übrig. Ist das nun viel oder wenig? Bedacht werden muss in jedem Fall, dass nicht nur die "Guten" zur FOS gehen, sondern auch Schüler, die mangels Lehrstelle die weiterführende Schule als "Notnagel" wählen.

Direktor Mürbeth bescheinigt den Hauptschülern "hohe Motivation und Lernbereitschaft", wenn auch Defizite im Fach Englisch (zum Trost: das Manko bei Wirtschaftsschülern liegt in Mathe). Die Lücken schließt die FOS mit Förderunterricht. Die 650 Fachoberschüler sind ohnehin ein buntes Volk: In Deutschland gibt es 70 verschiedene mittlere Abschlüsse. "Eine Gleichwertigkeit kann da gar nicht gewährleistet sein." An der FOS lernen auch Schüler aus Thüringen. "Die müssen sich durchbeißen. In Bayern ist es noch immer deutlich schwieriger."

n M-Schüler im Beruf: Zwei Drittel der M-Abschlussschüler der Max-Reger-Schule gehen in den Beruf ("hauptsächlich"), aber auch an Fachschulen wie Wiesau, weiß Rektor Sollfrank. Damit liegt ihre Vermittlungsquote deutlich besser als bei den regulären Neuntklässlern. Die Situation ist nämlich "schlecht, ganz schlecht", sagt Berufsberater Hans Weiß von der Agentur für Arbeit. 50 Prozent der 270 Max-Reger-Entlassschüler haben noch gar nichts. Die andere Hälfte freut sich über eine Lehrstelle oder "parkt" an Berufsfachschulen, wie dem BBZ Neustadt/WN (Sozialpflege, Kinderpflege, Hauswirtschaft). Weiß: "Hauptschüler werden in diesem Jahr noch mehr verdrängt. Sogar Verkäufer will man heutzutage mit mittlerer Reife. Und die kriegt man auch."

Bestes Mittel: Praktika

Das Pauken im M-Zug lohnt sich also. Das Spektrum möglicher Berufe erweitert sich mit mittlerem Abschluss deutlich. Ein "gleichwertiger Abschluss", so Weiß. Nur: In den Betrieben wird das nicht überall so gesehen. Zwar werden M-Schülern im gewerblich-technischen Bereich gewisse Vorteile eingeräumt: Die Hauptschüler paukten bis zuletzt Fächer wie Mathematik, Physik und Chemie. Dafür zieht der Kaufmännische und Dienstleistungssektor noch immer Wirtschafts- und Realschüler vor. Weiß liegen Stellenangebote vor, die von vornherein mit "Keine M-Schüler" versehen sind.

Rektor Sollfrank und Berufsberater Weiß schwören beide auf die Praxis: "Praktika sind immer noch das beste Mittel." Sollfrank, Mitglied im Arbeitskreis Schule und Wirtschaft, weiß von Arbeitgebern: "Ausbildungsbetriebe schauen drauf, ob einer die Arbeit sieht und auch mal hinlangt."





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